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Geldanlage? Ja. Aber wie, und über wen? Die meisten gehen zur Hausbank, weil dort bereits ihr Konto liegt. Der Berater ist bekannt, das Vertrauen ist da. Was kaum jemand prüft: andere Wege sind oft günstiger und flexibler.

Bank, Strukturvertrieb oder freier Berater

Wenn man den Berater kennt und dieser das Konto verwaltet, entsteht Vertrauen automatisch. Die Herausforderung dabei: Der Berater darf nur vermitteln, was das System zulässt. Das liegt am Geschäftsmodell, nicht an der Person.

Bei Strukturvertrieben sieht das ähnlich aus. Gut organisiert, breites Netz, oft jahrelange Kundenbeziehungen. Am Ende läuft es auf dasselbe hinaus: Fonds in der sogenannten Retail-Tranche.

Was das bedeutet: Die Retail-Tranche ist die Anteilsklasse mit den höchsten laufenden Kosten. Ausgabeaufschlag beim Kauf, laufende Provision inklusive. Beides finanziert den Vertrieb. Beides zahlt der Anleger.

Retail-Tranche · Typische Kosten
Ausgabeaufschlag beim Kauf bis 5,00 %
Serviceentgelt jährlich 0,70 bis 0,90 % p.a.

5 Prozent fließen in den Vertrieb, bevor der Fonds den ersten Handelstag gesehen hat. Danach jährlich bis zu 0,90 Prozent auf das gesamte Depotvolumen. In guten Jahren. Und in schwachen.

Gleicher Fonds, zwei Preise

Der DWS Vermögensbildungsfonds I verwaltet rund 17 Milliarden Euro, einer der meistgekauften aktiven Fonds in Deutschland. Weltweit investiert, ähnlich dem MSCI All Country World Index. Was kaum jemand weiß: Denselben Fonds gibt es in verschiedenen Anteilsklassen, je nachdem über welchen Weg man kauft. Zum Vergleich ein passiver ETF auf denselben Markt:

DWS Vermögensbildungsfonds I · Kosten
Retail-Tranche (Bank / Strukturvertrieb) 1,45 % p.a.
Clean Share (freier Vermittler) 0,60 % p.a.
iShares MSCI ACWI ETF (passiv, zum Vergleich) 0,20 % p.a.

Gleicher Fonds, zwei Anteilsklassen. Der ETF ist ein anderes Produkt, passiv, kein aktives Management, aber er zeigt wo die Reise hingeht wenn man konsequent weiterdenkt. Was der Unterschied über die Zeit bedeutet:

Rendite nach Kosten · Historisch
Retail-Tranche LD, 5 Jahre 9,59 % p.a.
iShares MSCI ACWI ETF, 5 Jahre 10,01 % p.a.
Clean Share, 5 Jahre 10,52 % p.a.

Auf 10 Jahre: Retail-Tranche 10,90 % p.a., ETF 11,36 %, Clean Share 11,79 % p.a. Der Unterschied wächst still mit, Jahr für Jahr.

Wer die Retail-Tranche hat, hat eine solide Entscheidung getroffen. 9,59 % p.a. ist gut. Besser als Tagesgeld, besser als auf dem Konto liegen lassen. Das sei gesagt.

Die Clean Share hat dabei 0,93 % p.a. mehr gebracht, obwohl man auf den ersten Blick nur 0,85 % Unterschied erwarten würde. Der Grund: Neben der niedrigeren laufenden Gebühr fallen bei der Clean Share auch geringere Transaktionskosten an. In manchen Phasen liegen die tatsächlichen Gesamtkosten dadurch sogar unter den ausgewiesenen 0,60 %.

Zur Vollständigkeit: Auch ein freier Vermittler verdient Geld. Er nimmt einen Teil der Kostendifferenz als Service-Fee. Der Kunde zahlt trotzdem weniger als in der Retail-Tranche, und weiß wofür. Beide Seiten profitieren. Das ist die Idee.

Was freie Beratung kann

Ein ungebundener Berater kann aus dem gesamten Markt wählen: ETFs, Clean Shares, institutionelle Klassen. Freie Produktwahl, ohne Hausmeinung. Die Vergütung wird offen besprochen:

Einmalvergütung

Einmalige Zahlung beim Kauf, danach abgeschlossen. Passt gut, wenn das Depot langfristig stabil bleibt und die Betreuung beim Kauf endet.

Laufendes Serviceentgelt

Ausgabeaufschlagfrei, dafür eine jährliche Gebühr. Sinnvoll, wenn das Portfolio aktiv begleitet werden soll und man jemanden haben will der das Depot dauerhaft im Blick behält.

Kombinationsmodell

Reduzierter Einstieg, kalkulierbares laufendes Entgelt. Saubere Erstberatung und dauerhafte Begleitung mit klaren Kosten von Anfang an.

Performancevergütung

Entwickelt sich das Portfolio besser als ein vereinbarter Vergleichsindex, bekommt der Berater einen Anteil der Überrendite. Gleiche Richtung, gleiche Interessen.

Egal für welchen Weg man sich entscheidet, ein Punkt gilt für alle gleich.

Die Rücksprachepflicht

Bevor irgendjemand im Depot etwas verändert, muss er den Kunden fragen. Regulatorisch vorgeschrieben, egal über welchen Weg. Jede Änderung braucht eine Freigabe.

Bei einem ruhigen Buy-and-Hold-Portfolio spielt das keine Rolle. Bei aktiverer Strategie sieht das anders aus: Der Markt dreht. Der Berater ruft an. Man ist im Meeting, im Auto, gerade anderweitig beschäftigt. Die Freigabe kommt zwei Stunden später. Der Moment ist vorbei.

Das Depot handelt nur auf Freigabe. Immer.

Vermögensverwaltung

Das einzige Modell, bei dem jemand wirklich handeln darf. Kein Anruf vorher, keine Freigabe abwarten. Der Verwalter agiert innerhalb eines Rahmens, den man gemeinsam festgelegt hat. Wenn der Markt sich bewegt, reagiert er. Ein Musterportfolio, täglich optimiert, alle Depots passen sich automatisch an.

Was dazukommt: Zugang zu Fondsklassen, die Privatanlegern sonst kaum zugänglich sind. Weil eine Vermögensverwaltung Kapital bündelt, erreicht sie Konditionen, die sonst Pensionskassen vorbehalten sind. Günstigere interne Kosten, strukturiertere Portfolios. Als Einzelanleger kaum erreichbar.

Fazit

Kosten, über die selten gesprochen wird, wirken trotzdem. Wer weiß, über welche Anteilsklasse er investiert, warum er diese Vergütung zahlt und was er dafür bekommt, ist klar im Vorteil. Das ist keine Raketenwissenschaft. Nur eine Frage, die zu selten gestellt wird.